Ey, wie schmeckt der Coffee bitter!

Zur Ur- und Frühgeschichte der „Cantata vom Coffee“ BWV 211 als Beispiel für ein „Sinkendes Kulturgut“. Vom anspielungsreichen Beiprogramm einer Anhaltinischen Fürstenhochzeit zur bürgerlichen Leipziger (und später auch Frankfurter) Feierabend-Unterhaltung. Diese zeitgenössische Sekundärquelle bietet erste Hinweise. Näheres findet sich in einigen an entlegener Stelle überlieferten Archivalien.

Das mutmaßliche Ur-Liesgen von 1715. Man beachte die Andeutung ihres Stifts-Kreuzes als unverheiratete, gleichwohl heiratswütige Canonissin eines nordmitteldeutschen evangelischen Closters. Das Koppchen (aus Meissen?) ist natürlich viel zu groß imaginiert. (Symbolbild, erstellt mit Nano Banana).

Ist das vielleicht die ins Auge gefasste Dame? Foto Marburg ist leider nicht mehr auf der Höhe der Zeit.… weiterlesen

Bach, der Beute-Sachse

Bild erzeugt mit Nano Banana (Google)

Einige strammdeutsche Politiker wollen Johann Sebastian Bach (wie schon nach 1933 und vor 1989) als „Ur-Sachsen“ vereinnahmen. Dabei war er ein gebürtiger Thüringer, der aus finanzieller Not zu Fuß nach Norddeutschland emigrierte, dort in Lüneburg zunächst von seiner schönen Sopranstimme lebte, sodann im damaligen musikalischen Silicon Valley (Hamburg) mangels Mitteln für Bestechungsgelder keinen Fuß fassen konnte, sich innerhalb der deutschen Kleinstaaterei (Weimar; Arnstadt; Mühlhausen; nochmal Weimar; Anhalt-Köthen) mit mäßigen wirtschaftlichen Erfolgen herumtrieb und schließlich mit 38 Jahren, mit einer Art „Green-Card“, im kurfürstlich-sächsischen Leipzig landete. Wo er als notorischer Querulant sofort mit jenem Teil der Obrigkeiten in Konflikt geriet, die ihn mehrheitlich als Lateinlehrer für skrufulöse, singuntaugliche Waisenknaben (aka minderjährige Bürgergeld-Empfänger) verpflichtet haben wollten.… weiterlesen

Oh, ihr verfluchten, meyneidigen Bösewichte …

Text und Musik zur Einführung: BWV 224/27 (Video mit Noten)

Podcast, erzeugt mit NotebookLM (Google) auf der Basis dieses Textes:

Zur Vorgeschichte von BWV 244 wäre zunächst eine Passage aus der 3. Passionspredigt Heinrich Müllers zu bewerten: 

„Schrecklich ist es / daß hie der Knecht den HErrn / die Creatur den Schöpffer / mit der Hand / die der Schöpffer selbst gemachet / schläget in das Angesicht / das aller Engel und Außerwählten Lust und Freude ist.“  

und sodann diese seine Worte, die als Nucleus für BW 244b/27b angesehen werden könnten:  

„Wunder ist es / daß diesen gottlosen Menschen nicht der Blitz und Donner hat zerschmettert: Daß nicht die Erde ihren Mund auffgethan / und ihn verschlungen.… weiterlesen

Peer-Review – ganz ohne Peer?

Soweit bekannt, verfügt keines der international anerkannten Bach-Periodica über ein wirklich anonymes Peer-Review. Meist entscheidet ein renommierter Herausgeber über Auswahl und Erscheinungstermin eines Beitrags. Dies ist wohl nicht nur der Tradition, sondern auch der Überschaubarkeit dieses Spezialgebiets der Musikwissenschaft geschuldet. Innerhalb der Community (er)kennt jeder fast jeden.

Am Beispiel eines der in diesem Blog in unkonventioneller Form vorgelegten Texte soll experimentell demonstriert werden, wie künftig eine Qualitätssicherung auch ohne menschliches Zutun stattfinden könnte. Das Verfahren kann bei Bedarf anonym sein, aber auch öffentlich mitverfolgt werden – eine Option, die bislang als „Open Participation“ nur sehr selten praktiziert wird.

Einige der Kernthesen dieses, als „fiktionales Vortragsmanuskript“ definierten Beitrags über Bachs mutmaßlichen Leipziger Hauptlibrettisten wurde in einem fraktionierten, sich selbst fortschreibenden Prozess durch das LLM „GPT-5“ evaluiert.… weiterlesen

„Geld ist der Hamburger ihr Gott“ – Oder warum Geldsäcke doch keine Ohren haben. Erdmann Neumeister und Johann Sebastian Bach und Hamburg …

… eine Marginalie zu einem verwandten Thema.

Am 6. 2. 2019 (nicht ganz 300 Jahre nach dem Ereignis) im Staatsarchiv Hamburg-Wandsbeck anhand der Original-Quellen nachvollzogen. Wie hätte die Improvisation Bachs geklungen, wenn er nicht kurz zuvor nach Köthen zurück berufen worden wäre?

So vielleicht?

Oder vielleicht „nur“ die Fuga, deren niederländisches Lied-Thema der offenbar musikkundige Protokollant säuberlich notiert hat?

Kann der – mehr geschwätzige als brillante – Kommentator Johann Matthesson als Zeuge dienen?

Wie die künstlerischen Umsetzungen der sehr knappen Quellen zu Bachs Lebensumständen im Abstand von 40 Jahren doch zu erstaunlich ähnlichen Ergebnissen kommen, belegt ein Vergleich der DDR-Produktion (1985 auch in der ARD gesendet) mit diesem gebührenfinanzierten „Weihnachts-Wunder-Märchen“ vom Dezember 2024, das sich sicherlich als Bestseller auf dem internationalen TV-Markt entwickeln wird.… weiterlesen